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Leseproben

Leseprobe (…ich)

Bild vom Türsteher der Kathedrale

Ein Gespräch unter vier Augen…. auf polnisch.

Richtig, ich spreche kein Wort polnisch – nicht ein einziges.
Die paar Sätze russisch, die man mir als Teenager beigebracht hat, helfen da auch nicht wirklich weiter (danke an Irina an dieser Stelle, dass sie mir „Notfallrussisch“ beigebrach hat):

  • Ich will rauchen
  • Ich will saufen
  • Ich brauch ‚nen Eimer
  • Ich liebe dich
  • Gute Nacht
    Hm, in der Reihenfolge klingen sie irgendwie seltsam. Egal…

Also Steffie kommt in Breslau an – übrigens mit starken Kopfschmerzen, aber das Leben ist halt nichts für Weicheier – und sucht sich ein paar Ziele in Fußreichweite, die eine Besichtigung wert sind: Botanischer Garten, Dom und haufenweise Museen hier. Klingt doch gut!
Ziel Nummer 1: Botanischer Garten – Entfernung 30 min, passt. Steffie stiefelt los, wie immer Millionen Fotos machend. Unterwegs schau ich kurz in eine Kathedrale rein. Sehr viel… ähm… bodenständiger als die, die ich so aus Deutschland, Italien oder auch Russland kenne. Im Grunde kein Schmuck und nur einfache Holzstühle. Dafür gab es einen freundlichen Türsteher.

Insgesamt krasse Gegend. Voller Gegensätze. Luxusgebäude grenzen direkt an baufällige von Rissen durchzogene, mit Graffiti übersähte Häuser. Trotzdem gibt’s einige sehr schöne Stellen. Siehe Fotos ein paar Kapitel weiter. Nach etwas mehr als 30 Minuten komme ich am botanischen Garten an.
Kassenhäuschen sieht ge-schlossen aus, Leute sind aber noch im Garten. Also geh ich einfach rein. Da drückt die freundliche Dame im Kassenhäuschen – die ich in dem finsteren Kabuff tatsächlich nicht gesehen hatte – höflich den Alarmknopf und (ungelogen) eine Sirene heult los. Yeah… guten Eindruck hinterlassen… voll meine Stärke!

Ich also zurück. Natürlich erstmal entschuldigen. Nicht gesehen und so. Die Dame quatscht mich auf Polnisch an: „pschzwsksi zwrscd pclscrw“ oder so ähnlich. Ich sage „sorry?“. Sie wieder: „pschzwsksi zwrscd pclscrw“. Ich: „English?“. Sie sehr verständnisvoll: „No!“ und legt mir ‚ne Eintrittskarte mit ‚nem Preis in Sloty hin. Ich überlege kurz, ob sie wohl Kartenzahlung nimmt, entscheide mich für ’nein‘ und frage in meinem besten polnisch: „Euro?“ Die Antwort war „pschzwsksi zwrscd pclscrw“ – glaub ich – und ein entschlossenes deuten auf den Sloty-Preis inklusive eines energetisch sanften Abstempelns einer Karty äh… Karte. Ich baue mein polnisch aus und zeige ihr ein 2 Euro Stück worauf hin sie wieder auf die Sloty-Angabe zeigt und irgendet-was auf Polnisch sagt, was ich diesmal allerdings nicht verstanden habe.
Ich, inzwischen ein winziges bisschen genervt, dass ich wegen um-gerechnet eines Euros nicht hineindarf, erwidere ich ihre Freundlichkeit indem ich mich mit einem herzlichen „Mein Gott, dann eben nicht“ verabschiede.

Kurz sammeln und nächstes Ziel ins Navi eingeben: Der Dom. 20 Minuten Entfernung, ich watschel los. Echt warmer Tag heute. Unterwegs begegnen mir Leute mit einem Eis. Während ich die Alternativen durchgehe: mit Karte zahlen? Euro anbieten? Jemandem das Eis weg-reißen und losrennen… sehe ich die Schlange vor einer Eisdiele, die gefühlt die ganze Straße entlang geht und entscheide mich für Variante D und gehe einfach weiter. Ca. 5 Minuten vor dem Ziel meldet mir mein Navi: Der Dom hat eventuell geschlossen, wenn Sie ankommen. Öffnungszeiten: 10-16 Uhr. Es ist bereits 17 Uhr. Ich, heilfroh, dass mich Google warnt, kurz bevor ich ankomme…. stellt euch vor, es hätte mich gewarnt, bevor ich loslief (als es im Übrigen auch schon nach 16 Uhr war)!
Ich setze mich also auf eine Bank direkt an der Oder, also dem Fluss, genieße ein wenig die Flussluft (und die des überquellenden Mülleimers direkt neben mir), schaue den Vogis zu, wie sie wertvolle Reste darin suchen und entspanne mich.
Was kann ich noch anschauen? Die Museen werden auch schon alle geschlossen haben. Inzwischen führen meine Kopfschmerzen intensive Gespräche mit der Müdigkeit, die sich in mir ausbreitet. Ich beschließe also gemütlich zurück zu gehen und einfach die Gegend noch ein bisschen zu genießen.

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